MBFWB – LOU DE BÈTOLY

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Nele Tüch Du beschreibst deine Arbeitsweise und dein Label mit sehr abstrakten Worten, wie Oneirismus, Dualismus und auch Chaos. Bist du tatsächlich eine chaotische Person, oder ist dein Chaos geplant?
Odélie Teboul Ich experimentiere viel, also plane ich vor einer Kollektion nie. Ich mache den Prototyp selbst, also muss ich auch immer durch den Experimentierungsprozess gehen und schauen, ob es funktioniert oder nicht. Von da aus baut sich dann eine Kollektion auf. Erst einmal muss ich Dinge in der Realität sehen, also ist es ein organisiertes Chaos.

NT Also startest du erst einmal ohne Plan?
OT Ich arbeite sehr eng mit Tim Heyduck von Gruppe zusammen, er übernimmt die Kreativdirektion. Für die zweite Kollektion haben wir sehr viel darüber geredet, wie die Pieces zusammenpassen. Das war sehr inspirierend.

NT Früher mit Augustin Teboul hast du auch in einem Duo gearbeitet. Jetzt hast du Tim…
OT Es ist interessant einen ganz anderen Standpunkt zu bekommen. Es ist so wichtig Ideen zu teilen, denn manchmal habe ich eine Idee in meinem Kopf, aber weiß nicht, wie ich sie nutzen kann.

NT Viele deutsche Designer kommen aus Berlin, aber verlassen die Stadt, um woanders ihre Kollektionen zu zeigen. Du bist französisch und hast in Paris studiert, bei dir war es also andersherum. Wieso Berlin?
OT Ich kam zufälligerweise mit meiner früheren Brand nach Berlin. Sie wollte nicht in Paris sein, also habe ich sie in Berlin besucht und eins kam zum anderen. Ich habe hier gearbeitet und es hat so gut funktioniert, dass ich einfach geblieben bin. Und als sie sich entschieden hat aufzuhören, war mein Leben hier. Ich hab also gar nicht daran gedacht wieder nach Paris zu ziehen. In Sachen Mode, klar, ich würde gerne was in Paris machen. Aber momentan zeige ich erst meine zweite Show mit meinem eigenen Label, ich bin noch sehr klein und selbst-finanziert, also brauche ich ersteinmal die richtigen Partner und Sponsoren.

NT Wenn du also etwas gewachsen bist, dann willst du in Paris zeigen?
OT Ich meine, wieso nicht? Ich glaube nicht, dass es schlecht ist in Berlin zu präsentieren, versteh mich nicht falsch. Berlin ist so eine kreative Stadt und voll mit Leuten mit großen Talenten. Die einzige Sache, die man kritisieren könnte, ist dass es sehr kommerzialisiert ist. Aber wir könnten Berlin groß machen, denn es ist schon toll. Außerdem denke ich, ich will hier nicht zu kontrovers sein, dass der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist, dass wir Franzosen immer denken, wir hätten die beste Mode, den besten Camembert, einfach das Beste, und deutsche Leute wollen sich lieber international verwirklichen.

NT Momentan gibt es vielleicht drei oder vier wirklich interessante Shows in Berlin, und wenn das Umfeld eines Designers einfach nicht so interessant ist, dann will dieser Designer vielleicht woanders hin. Aber wenn es mehr Leute wie dich gäbe, die hierbleiben würden, dann könnte die Berliner Fashion Week wirklich toll sein.
OT Vielleicht geht es einfach darum ein Statement zu setzen, zu sagen: Es ist cool hier zu sein. Das Problem ist ja auch, dass kaum Business durch Berlin geht. Es geht nicht nur um die Schauen, es geht zum Beispiel um die Presse, hier gibt es nur deutsche Presse, kaum internationale. Ich glaube die Leute müssen die Stadt weiterhin cool machen, sodass mehr Leute angesprochen werden.

NT Und das würde nicht nur die richtigen Designer, sondern auch die richtigen Einkäufer und die wichtige Presse anziehen..
OT Genau, aber ob es so werden kann, das weiß ich nicht. Aber wieso nicht? Ich glaube es ist immer besser etwas zu tun, als nichts zu tun, oder?

Fotos DIANA GABRIELLI
Interview NELE TÜCH



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