HAPPY BIRTHDAY MILEY CYRUS | INTERVIEW MAGAZIN

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    INTERVIEW: Du bist vielleicht eher der Prinz-Harry-Typ – zumindest, wenn man sich die Party in deinem neuen Video anschaut. Eigentlich wirkt es eher wie fünf Partys auf einmal.
    CYRUS:
    Das soll auch so sein! Ein wildes Party-Mash-up aller Partys, auf denen ich in den vergangenen Jahren Spaß hatte. Das meiste basiert auf echten Begebenheiten.

    INTERVIEW: Die Aufregung um dein Video war bemerkenswert. In England wurde es zensiert. Angeblich, weil es zu sexy sei. MTV darf es dort nicht spielen.
    CYRUS: Weswegen wir eine bravere Version vorlegen mussten.

    INTERVIEW: Kontroversen verkaufen sich immer am besten.

    CYRUS: Dennoch frage ich mich, was falsch läuft: Alle regen sich über mein kleines Video auf – und in Amerika erschießt George Zimmerman einen 17-jährigen schwarzen Jungen und wird freigesprochen. Die Medien sollten sich mal darauf besinnen, was wirklich wichtig und berichtenswert ist. Es wird echt Zeit, dass wir bestimmte Dinge wieder in die richtigen Relationen setzen: Warum dürfen in Amerika in Filmen mit der Altersfreigabe ab 13 ständig Leute niedergemetzelt, aber nicht eine einzige Titte gezeigt werden? Und dann fragen sich alle, wie die Welt zu so einem brutalen und gewalttätigen Ort verkommen konnte.
    INTERVIEW: Na ja, man darf in Amerika ja auch mit 18 in den Krieg ziehen – und erst mit 21 Bier bestellen.

    CYRUS: Ganz genau.
    INTERVIEW: Was hat eigentlich dein Vater zu all dem Spanking im Video gesagt?
    CYRUS: Der findet das Video super. Er schaut mir ja nicht auf den Arsch. Das wäre auch gruselig, oder? Außerdem darf er sich nicht beschweren: Mein Dad hat ziemlich viel Erfolg wegen seines eigenen Hinterns gehabt.INTERVIEW: Mittlerweile wurde das Video fast 100 Millionen Mal auf Youtube angeklickt: Schaust du heimlich nach, damit du nicht verpasst, wenn die 100 Millionen erreicht sind?

    CYRUS: Nein, ich verfolge nur Twitter. Meine Fans werden sich schon melden, wenn es so weit ist. Heute morgen fehlten noch 12 000 Klicks.
    INTERVIEW: Machen Klickzahlen, Follower und Ruhm süchtiger als Pot?

    CYRUS: Hell no!
    INTERVIEW: Ich durfte vorhin eine Handvoll Stücke hören – aber keiner verriet, wie das Album denn heißen wird.

    CYRUS: Wenn ich dir das verrate, muss ich dich umbringen. Leider.
    INTERVIEW: Okay, verrate es mir.
    CYRUS: Das ist ein billiger Trick! Dafür bin ich zu schlau.

    INTERVIEW: Als Hannah Montana wurdest du zum größten Teeniestar, den Disney je erfunden hat. Du warst die All-American-Daughter einer ganzen Nation, die dir dabei zugesehen hat, wie du älter und immer erfolgreicher wurdest. Ein wenig erinnert deine Jugend an die Truman Show. Fühlte sie sich auch so an?
    CYRUS: Die Truman Show ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich liebe Truman.
    INTERVIEW: Im Gegensatz zu ihm bekamst du dafür wenigstens ein paar ziemlich fette Schecks.
    CYRUS: Das stimmt. Ich wurde bezahlt. Und im Gegensatz zu Truman wusste ich, dass Amerika mir bei jedem meiner Schritte zuschaut.

    INTERVIEW: Stell ich mir furchtbar stressig vor.
    CYRUS: Vor allem weil die Leute wirklich denken, sie wür- den mich kennen – deshalb denken sie auch, sie dürften über mich urteilen.
    INTERVIEW: Kann jemand in deiner Position eigentlich ver- stehen, warum so viele Menschen wegen dir durchdrehen, geradezu besessen sind?
    CYRUS: Ich kann gut nachvollziehen, warum man Fan von irgendwas ist oder wird. Mit der Besessenheit tue ich mich deutlich schwerer. Ich verstehe, wenn man die Musik oder einen Film einer Person toll findet und alles darüber wissen will. Aber ich kapiere nicht, warum Menschen, die sich kein bisschen für die künstlerische Arbeit einer Person interessieren, es toll finden, sich Tag und Nacht Celebritys ohne Make-up oder im Bikini anzuschauen.
    INTERVIEW: Von was warst du denn Fan in deiner Zeit als Teenager? Welche Poster hingen in deinem Jugendzimmer?

    CYRUS: Metallica!
    INTERVIEW: Ach ja?
    CYRUS: Klar. Aber auch, weil mein Bruder total Angst vor Metallica hatte. Er dachte, es sei die Musik des Teufels. Damals teilten wir uns ein Zimmer – und ich besorgte mir das größte Metallica-Poster, das ich finden konnte, und hängte es so auf, dass er jeden Abend vorm Einschlafen darauf schauen musste. Ich war eine ziemlich gemeine kleine Schwester.
    INTERVIEW: Du wurdest mit 12 für Hannah gecastet, hattest mit 16 vier Nummer-eins-Alben und wurdest bereits dann von Forbes als der reichste Teenager Hollywoods geführt. Es macht durchaus Sinn, dass du dir mit 17 den Schriftzug „Just Breathe“ unter deine linke Brust hast stechen lassen.
    CYRUS: Eine Freundin von mir ist an Mukoviszidose gestorben, als ich 17 war, ihr habe ich dieses Tattoo gewidmet. Aber natürlich ist es auch als Hinweis für mich gedacht: einfach mal durchatmen. Daran denke ich immer, wenn alles zu viel wird: atmen, Miley, atmen.

    INTERVIEW: Hat Disney dir eigentlich einen Therapeuten zur Seite gestellt, um mit dem ganzen Druck und der großen Verantwortung leben zu lernen?
    CYRUS: Ich brauche keinen Psychiater, ich schreibe Songs – und im Gegensatz zu einer Sitzung beim Therapeuten stehe ich am Ende nicht mit leeren Händen da…

    INTERVIEW: Themen, für die du dich seit Jahren starkmachst, sind die gleichgeschlechtliche Ehe und die Rechte von Homosexuellen.
    CYRUS: Die gerade in Kalifornien legalisiert wurde! Leider war ich gar nicht da, als es endlich so weit war: Ich bin mir sicher, West Hollywood dreht gerade völlig durch. Ich kann nicht glauben, dass es überhaupt so lange gedauert hat. Wahrscheinlich werden meine Kinder die Tatsache, dass früher Menschen gleichen
    Geschlechts nicht heiraten durften, für ebenso abstrus halten, wie ich die Vorstellung, dass es tatsächlich Rassentrennung in Amerika gab.
    INTERVIEW: Und das sagt jemand, der aus Nashville kommt.
    CYRUS: Für ein Mädchen aus den Südstaaten bin ich ganz schön liberal. Ich will die Menschen dort nicht verteidigen, aber viele wissen es einfach nicht besser. Bei mir hat das jedoch Familientradition: Mein Großvater (Ron Cyrus) war Politiker in Kentucky, ein Demokrat. Schon ihm war egal, wer vor ihm stand: weiß, schwarz, gay, straight, total egal. Sein Blut fließt in meinen Adern. Zudem weiß ich, welches Glück ich habe, in Los Angeles zu leben. Dort darf jeder sein, wer oder wie oder was er will. Es herrscht die absolute Freiheit – und das hat nichts mit einer angeblichen Oberflächlichkeit zu tun. In L. A. werden Menschen nicht in Schubladen gesteckt und abgeurteilt. Für jeden Freak gibt es einen weiteren Freak, der auch so drauf ist. Das ist L. A. Ich liebe die Stadt.

    INTERVIEW: Ein interessantes Sendungsbewusstsein für einen ehemaligen Disneystar.

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