THE CRYSTAL BALL OF POP #5 – PUSSY RIOT, GUNNA, CARAMELO and more

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    PUSSY RIOT feat. MARA 37  – BLACK SNOW

     

    PUSSY RIOT sind Punk, aber PUSSY RIOT sind längst nicht nur eine Punkband. Das Aktivistinnen-Kollektiv aus Russland machte zwar anfangs recht konventionellen Punkrock, das ist aber längst vorbei. Mittlerweile wechseln Musikstile, Aktionsformen und Mitglieder immer wieder und auch das Themenspektrum wird größer. Feminismus, Solidarität mit Minderheiten, sexuelle Freiheit, Antirassismus sind seit der Gründung des Kollektivs wichtig. Doch auch Haftbedingungen in russischen Gefängnissen und Hungerstreiks wurden schnell zur Realität, denn in Russland eine radikale Systemkritik zu üben ist schwer und wird mit allen Mitteln bekämpft. Musikerinnen der Band mussten sogar ins Arbeitslager.

    PUSSY RIOT existieren trotzdem weiter und wagen auf  “BLACK SNOW” verrückte Experimente. Sie verbinden dekonstruierte Clubmusik mit Rap, Hardcore sehr viel Wut, Geschrei und einer Melodie, die klingt, als würde sie einem harmlosen Kinderlied entstammen. Doch harmlos ist an diesem Song nichts. Im Video machen Maskierte bedrohliche Gesten, im Song wird die Kinderlied-Melodie durch die unheilvollen Sounds gebrochen. So klingt also der Punk des 21. Jahrhunderts. Unterstützung bekommen sie von einem Teil der neuen hochemotionalen russischen Musikszene, die ihre Queerness auslebt und mit ihren Provokationen an die Vorreiter-Band PUSSY RIOT anknüpft.

     

    GUNNA – Baby Birkin

     

    GUNNA ist gerade vom XXL Magazine zum Freshman gekürt wurden, was eine der wichtigsten Auszeichnungen der globalen Rapszene ist. Außerdem ist er neben Young Thug und Future wohl derjenige US-Rapper, der seine Stimme aktuell am meisten malträtieren und dadurch und mithilfe von Autotune und Pitch Correction wiederum die abseitigsten Töne erzeugen kann. Seine Stimme ist ein Instrument, das immer auch Schmerz und Trostlosigkeit ausdrücken kann, obwohl die Autos in seinen Musikvideos meistens teuer sind und der Schmuck glänzt. GUNNA ist der Mann für die Balladen, denen erst mal gar nicht anzuhören ist, dass sie Balladen sind. “Baby Birkin” ist eine von ihnen.

     

    CARAMELO – Pepsi

     

    Das Berliner Kollektiv und Musiklabel Live From Earth und deren Künstler haben deutsche Rapmusik in den letzten Jahren geprägt. Nicht nur Yung Hurn und Rin sind dafür verantwortlich, sondern auch Caramelo. Der schafft es nämlich seine Vorliebe für abseitigen LoFi-Rap aus dem Memphis der 90er-Jahre mit der Trap- und Post-Internet-Ästhetik des 21. Jahrhunderts zu kombinieren. Herausgekommen sind bisher unzählige großartige Mixtapes und aktuell der Song “Pepsi”, eine Ode an alle Frauen. Das Video wiederum spielt unter anderem auf einer linken Demonstration, womöglich beim revolutionären 1. Mai in Berlin.

     

    DRY CLEANING – Magic of Meghan

     

    Die meisten Mitglieder der Londoner Band Dry Cleaning haben sich zwar beim Karaoke kennengelernt, zum Glück machen sie aber keine Musik, die alte Helden kopiert. Stattdessen spielen sie einen frischen Postpunk und besingen auf ihrer neuen Single “Magic of Meghan” Meghan, Duchess of Sussex, die Frau von Prinz Harry und nehmen darin pointiert die britische Monarchie hops, die sich immer noch für viel zu wichtig hält.

     

    ESTHER – Kvällsgäst

     

    ESTHER singt über die Nacht, über nächtliche Besucher. Ihr sanfter Elektropop illustriert den Moment, wenn man mit Personen, die man mag eine Nacht lang durchredet, die Zeit vergeht, niemand es merkt, man nur für sich ist und irgendwann die Sonne aufgeht, alle schläfrig sind, alle zufrieden sind. Die schwedische Sängerin arbeitet gerade an neuer Musik, “Kvällsgäst” ist eine ihrer ersten Singles, klingt aber jetzt schon ausgereift.

     

    Words JOHANN VOIGT

     



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